Tim Cierpiszewski

Samstag, 16. November 2019, 14:00 Uhr

Der Werktalk findet in der aktuellen Ausstellung von Tim Cierpiszewski im Hilbert Raum statt. 

Adresse:

HilbertRaum

Reuterstraße 31
12047 Berlin

LIKE A HOUSE, Tim Cierpiszewski, Gesellschaft für zeitgenössische Kunst Osnabrück e.V., Osnabrück, 2019

After studying philosophy, Tim Cierpiszewski studied fine arts at the Art Academy Münster. He deals with the potential possibilities of architecture, far away from statics and building conditions. So his artistic interest is directed to the architecture surrounding art. On the one hand, this acts as a starting point for display-related work, not only referring to the architectural context, but also actively incorporating it into the artistic process. On the other hand, by incorporating irregularities and disruptive elements into his work, Cierpiszewski literally works off the found specifics of the exhibition spaces and creates differences to these - an expanded architectural approach, a material reflection of the exhibition display.

For some time, the artist has complemented his actual spatial and architectural working method by involving other spaces or other spatial terms. For example, he takes account of our collective social (image) consciousness, the virtual space of the Internet, and uses a wide variety of image downloads as the basis for various image sampling and remixing, in order to combine this with the specific exhibition architecture. It creates complex entanglements between building form and content, the omnipresent Internet and wall designs that are presented in surprising installative contexts.



Mathias Kern, 2019

Friederike Feldmann

Mittwoch, 30. Oktober 2019, 20:30 Uhr

Der Werktalk findet in der aktuellen Ausstellung in der Kindl-Brauerei statt. Die Ausstellung wird kuratiert von Andreas Fiedler.

Adresse:  
KINDL – Zentrum für zeitgenössische Kunst
Am Sudhaus 3
12053 Berlin


Bitte den Haupteingang benutzen.


PS 8, Friederike Feldmann, pigmentierte Tusche auf Nessel, 120 x 80 cm, 2011; Foto Jens Ziehe

Friederike Feldmann nähert sich der Malerei in reflektierender Außenperspektive von immer neuen Seiten und übersetzt den analytischen Blick in eigenständige Formensprachen. Sie fokussiert vor allem malerische Kernaspekte wie Gestus, Textur und Repräsentation, Autorschaft.


 Text: Jens Asthoff



www.friederikefeldmann.de 

Ilona Kálnoky

Mittwoch, 18. September 2019, 20:30 Uhr




Ilona Kálnoky, Installation, Traklhaus

Was zur Hand ist
Ilona Kalnokys plastische Enzyklopädie

Falten, mischen, schütten, quetschen, schichten, rollen, stapeln – all diese Tätigkeiten hat Ilona Kalnoky in den letzten Jahren immer wieder vollführt. Für diese Handlungen hat sie einfachste Materialien benutzt: Sand und Salz, Ton und Beton, Schaumstoff und Plexiglas. Manche der so entstandenen Objekte sind für sich genommen recht unspektakulär, manche existieren garnicht mehr; so der Gipskloss, den sie mit Wucht an die Wand geschleudert hat und der dort auseinandergeplatzt hängen blieb. Da prangt er jetzt noch als Zeugnis einer hoch emotionalen Handlung. Anderen Objekten hingegen hat die Zeit unfreundlich mitgespielt: Bei der Schaumstoffrolle, die Kalnoky nahezu mittig gefaltet, in einen oben offenen Plexiglaskasten gepresst hat, sind die beiden unterschiedlich lang herausschauenden Enden vergilbt, während das Mittelstück makellos geblieben ist. Auch der weisse Ballon schliesslich, den die Künstlerin in eine Schraubklemme gezwungen hat, wird nicht ewig so schön prall bleiben und sich mit seiner Oberflächenspannung der Klemme entgegenstemmen. Nach und nach wird er Luft verlieren und irgendwann als leerer Schlauch zwischen den offenen Enden der Klemme liegen.

Beiläufigkeit statt Verewigung
Mit klassischer Bildhauerei hat das natürlich wenig zu tun. Schliesslich war diese doch auf Dauerhaftigkeit des Abbildes und somit auf Verewigung des oder der Dargestellten angelegt: Bilder von Helden und Herrscherinnen, Heiligen und Allegorien wurden darum mit Vorliebe in Marmor geschlagen und Bronze gegossen, um die Erinnerung an sie so lang wie möglich wachzuhalten. So bevölkern Franz Joseph I und Wilhelm II, Mozart und Wagner, Grillparzer und Goethe noch heute vorzugsweise die städtischen Anlagen und gemahnen an manchmal nur noch vergangene Grösse.
Für die Kunst des 20. Jahrhunderts, die Eigenschaften wie Dynamik und Metamorphose feierte, war die Skulptur just aus den vorgenannten Gründen eher ein Wechselbalg denn ein geliebtes Kind. Die bahnbrechenden Neuerungen schienen sich sowieso eher in Malerei und Zeichnung, wenn nicht gar nur in den neuen Medien wie Fotografie und Film und den ephemeren Gattungen wie Performance und Konzept zu ereignen. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg holte die Skulptur mit der Adaption von alltäglichen Materialien wie industriell hergestellten Stoffen und neuen Präsentationsformen wie der Kinetik den Vorsprung der anderen Gattungen auf.
Hier kann Ilona Kalnoky anknüpfen, wenn sie Materialien wie Schaumstoff oder Zement verwendet, die eigentlich aus der Produktion von Gebrauchsobjekten stammen und von Kunstströmungen wie der Pop Art just wegen ihrer Banalität schon in die Kunst eingeführt worden sind. Die Stoffe sind günstig verfügbar, schnell bei der Hand und vermitteln daher unmittelbar den konzeptuellen Charakter der meist kleinformatigen Arbeiten. Denn um die besonderen handwerklichen Fähigkeiten, die es zum Hauen von Skulptur oder Giessen von Plastiken braucht, geht es bei Kalnokys Arbeiten offensichtlich nicht. Vielmehr zielen sie ab auf das Ausprobieren und das Vermessen der künstlerischen Möglichkeiten der Plastik, die prinzipiell auf Aufhäufen, Anfügen und Verformen von zumeist weichen Massen beruht.

Leib statt fester Form
Dabei soll die alltägliche, unvirtuose, plastische Geste, die die Formveränderung hervorgebracht hat, ebenso sichtbar bleiben wie der körperhafte Charakter der Arbeiten: Wie ein lebendiger Leib sollen die Plastiken aufrechtstehen und sich strecken, aber auch beengt sein und zusammensinken, sich zersetzen und verfallen. Hier liesse sich fragen, ob es eine typisch österreichische Plastik gibt, die sich mit einer deutlichen Prise Humor vor allem für die Bedingungen des Leibes interessiert, von den physiognomischen Experimenten Franz Xaver Messerschmidts über die Performances der Wiener Aktionisten und Franz Wests Passstücke zu Erwin Wurms One-Minute-Sculptures reicht und unter die sich Ilona Kalnokys Plastiken einreihen lassen.

Die Verbindung von Konzeptualität und Körperhaftigkeit, die Kalnoky in ihren Arbeiten schafft, zeigt sich darüber hinaus darin, dass sie die Enzyklopädie der plastischen Begriffe, mit denen sich ihre Arbeiten beschreiben lassen und die eben auch Phänomene des menschlichen Leibes und seiner Psyche wie Lachen umfassen, in der Ausstellung von einem Schauspieler lesen lässt, sodass Stimme und Klang ebenfalls zu Anteilen des plastischen Prozesses werden.

© 2017 Heinz Stahlhut



www.ilonakalnoky.de 



Rani Le Prince

Mittwoch, den 21.08.2019 um 20.00 Uhr



Rani Le Prince, bambou latitude  3, 2018,
Aquarell, Acryl, Farbstifte, Kupfer auf porösem Papier, 70 cm x 75 cm




La vitesse ou la vie?


Zeichnen ist mein Lebensmittel.




www.ranileprince.de




Astrid Busch

Mittwoch, den 05.06.2019 um 20.30 Uhr


Astrid Busch, Hyperloop, 2019, 
Installationsansicht DB Museum Nürnberg


Basis für meine künstlerische Arbeit im allgemeinen ist die Auseinandersetzung mit Orten, die mich aufgrund ihrer architektonischen, historischen und sozialen Kontexte interessieren. Ich untersuche und reflektiere dabei ihre verschiedenen architektonischen und historischen Ebenen und Erinnerungsstrukturen. Durch die Dichte der Fragmente wird das Reale segmentiert und in neue Zusammenhänge gestellt. Meine Installationen sind offen für Einflüsse aus Architekturgeschichte, Film, Literatur oder auch Musik. Wandgroße Fotografien, Fotoobjekte und Videoinstallationen, deren Grundlage im Studio gebaute Objekte aus verschiedenen, sowohl gefundenen, wie eigens hergestellten Materialien sind, treten in einen Dialog mit dem realen Raum, erweitern und transformieren ihn.

Mein Interesse gilt den wechselseitigen Bezügen von Fotografie, Video und Projektion im Raum im Zusammenhang mit ortsspezifischen Interventionen. Analoge und digitale Techniken agieren im Wechselspiel. Die Vielfalt der Medien und das Verwenden unterschiedlichster Materialien führt zu einer Intermedialität meiner fotografischen Praxis. Die Stadt als Ort im andauernden Prozess der Bewegung und Veränderung findet eine Umsetzung in meinen multimedialen Rauminszenierungen. Durch Projektionen versetze ich meine Bilder in immer wieder neue Konstellationen und Erscheinungsformen. Dabei wird der architektonische Entwurf als interdisziplinärer Prozess verstanden und die Übersetzung dessen in multimediale Inszenierungen begriffen. Ich wende mich dabei dem Raum sowohl inhaltlich, als auch mit ebensolchen Mitteln zu, indem ich Bildmaterial als architektonische Elemente im Raum betrachte und bewusst mit Dimensionen und Größenverhältnissen spiele. Ich bediene mich dabei in Form jener Mittel, die auch an den jeweiligen Orten zu finden sind, wie Lichtverhältnisse, Klangkulissen und Materialitäten. Somit thematisieren meine Installationen den jeweiligen Charakter eines Ortes, während sie zugleich selber neue Orte ausbilden. 

Statement von Astrid Busch
www.astridbusch.com

Hanns Schimansky

Mittwoch, d. 15.05.2019


Das Gespräch findet in der aktuellen Ausstellung von Hanns Schimansky in der  
Galerie Inga Kondeyne, Carmerstraße 10, 10623 Berlin, statt.


o.T., 2019, Faltung, Tusche, Gouache, 52 x 56 cm



„In den Faltungen, wie andere schon erwähnt haben, transferiert der Künstler eine Zeichnung in eine physische Präsenz, ein tastbares Ding, dessen gefaltete Oberfläche zusammen mit den gezeichneten Formen wirkt. Die Abstände, die die Formen trennen, sind dabei genauso wichtig wie die Formen selber. Und trotzdem ist es wieder einmal unmöglich, eine zugrundeliegende Ordnung in ihrer Platzierung zu erkennen. Das Reich, in dem sie sich befinden, und das sie definieren, ist vollkommen abstrakt. Wir haben eine Welt erlebt, die außerhalb der diskursiven Sprache zugleich unnahbar und intim, zurückhaltend und ausdrucksstark ist. Indem er über den Geltungsbereich der Sprache und ihrer Fähigkeit zu verbalisieren hinausgeht, erzielt Schimansky sehr differenziertes und ganz bestimmtes Sehen und Betrachten. Diese Umstände vermischen unwahrscheinliche Möglichkeiten wie Ehrfurcht und Furcht, Verspieltheit und Verzweiflung, Gemeinschaft und Isolation. Solch starke, fantasievolle Mischungen sind wichtige Bestandteile für die Neubildung unseres täglichen Lebens. Deshalb ist Schimanskys Arbeit so wichtig.“ John Yau, Necessary Drawings, Katalog: Hanns Schimansky La Ligne Claire, S. 69

Antonia Low

Mittwoch, 27.03.2019 um 12.00 Uhr


Das Gespräch findet in der Ausstellung There Is Fiction in the Space Between im NBK in der Chausseestraße 128-129, 10115 Berlin-Mitte statt.


Antonia Low, Rückzug des Materials, 2019,
 Installationsansicht, Neuer Berliner Kunstverein (n.b.k.) 


In den Museen von Rom füllt die Nacht die Säle, wo die Meisterwerke stehen: „Die schlafende Furie“, „Der Hermaphrodit“, „Die Venus Anadyomene“, „Der sterbende Gladiator“, Marmorblöcke, die den großen allgemeinen Gesetzen unterliegen, welche das Gleichgewicht, die Schwere, die Dichte, die Dehnung und Kontraktion von Steinen bestimmen und nichts davon wissen, dass seit Jahrtausenden tote Künstler ihre Oberfläche nach dem Bild von Wesen eines anderen Zeitalters geformt haben. Die Nacht nimmt die Ruinen der antiken Monumente in sich auf, diese privilegierten Bruchstücke der Vergangenheit, mit ihrem Schutzgitter und dem leeren Stuhl des Kontrolleurs neben dem Drehkreuz. Auf der Triennale der modernen Kunst sind die Gemälde nur noch auf Rahmen gezogene Leinwandvierecke mit einer ungleich aufgetragenen Kruste von Farben, die in diesem Augenblick alle ein einziges Schwarz sind. 

Marguerite Yourcenar, in: Eine Münze in neun Händen, 1971


www.antonialow.com

Alex Müller

Mittwoch, 13.03.2019 um 20.30 Uhr



Alex Müller, das Wüstenhallo, 2018, Tusche, 
Graphit auf Leinwand, 89x100cm


Die Tage werden nicht gezählt.
Die Laune schwimmt im vollen Bade.
Der Rhythmus verliert sich nie und nimmer.
Das Pop Corn ist vorhanden.


Alex Müller freut sich auf Euren Besuch und serviert Äpfel. 

Andreas Sell

Mittwoch, 27.02.2019 um 20.30 Uhr



Andreas Sell, German Evangelical Gay - #2, 2012, foam, MDF, synthetic leather, 
metal screws, 370 (l) x 154 (b) x 272 (h), Photo courtesy: Jule Felice Frommelt


Andreas Sell works on the creation of space. He maps out, builds, arranges and represents a space to receive the self and the other; a physical, mental and sentimental space to expose or protect, to be visited or inhabited. Thus his practice explores personal and social relationships and investigates how people engage with their surroundings. It involves processes of transition, adaptation, attachment and detachment, starting from his personal experience. His work coincides with his life story, resulting in both a material and immaterial narration.
After a long wander and life ‘on the road’, he returned to Berlin, his base at the time, for a little while. He worked for four months on dismantling and assembling anew the
furniture and appliances of his apartment transforming them into sculptures. His home was serving both as a living and working space while his everyday objects became sculptures that he could still use. He presented them in situ turning his apartment also into an exhibition space. The title of the show, German Evangelical Gay, 2012 recalls a classified ad applied to the supply and demand protocol; it gives too much and at the same time too little information about what is exhibited and who exhibits. The exhibition challenged the effort of categorization addressing the multiplicity of identities and eventual contradictions that one incorporates. At the end of the show he left again.
Galini Notti (excerpt from: Guidelines 2015-2012)


www.andreassell.com

Raul Walch

Mittwoch, 13. Februar 2019, 20 Uhr


Einzelausstellung The Sceptical Chemist
EIGEN + ART Lab, Torstrasse 220, 10115 Berlin-Mitte


Raul Walch, The Sceptical Chemist, 2018

The Sceptical Chemist

The Sceptical Chymist wanders through life undocumented. The figure is both one of a reactionary nature and ghost of life. It observes from a vantage point that others never decide to tread. The Sceptical Chymist is not an agent in the network but the Gardner of the Rhizome.Raul Walch is both the Sceptical Chymist, the Artist, the Viewer and the Ethnographer. His installations mark a world of his own viewing and that of his own making. This can be seen both as the Imaginarium and the Archive. In his new works, he guides the viewer into infinite drifting angles of clandestine territories, criss-cross woven textile sheets make up the body of this new border. These monotone Spanish plastic architectures discreetly hide the mass-manufactured winter vegetable urban fuel line from Spain to Germany. An epic bed of white plastic crusts the southern tip of Spain. Covert yet visible via Google Earth, not a human in sight. Only the words Death King „Earth Warriors“are found by Walch as he conducts his pilgrimage into another world, a deeper web of the unseen polyethylene lies beyond the gateway we now know as our life.
In 2008 Boris Groys argued in “Art Power” that since the 1960s artists have created installations that perform services to selection processes rather than just creativity. A distinction between the (curated) exhibition and the (artistic) installation is naturally still able to be made ten years on, but he argued it is essentially obsolete to do so. He goes on to add that the use of such practices works well with demonstrating the material of a specific civilisation because the artist installs all the elements that typically circulate in the abstracted emotion of life, bringing them into one place, in one time. The artist gives the viewer a room with a vantage point, not just a view.
In doing so…Walch opens up this gateway and allows us to ponder on his unframed view – Do we wish we were there? Or are we already there? These binary fucks tread softly all over Raul Walch’s new work, distopias seduce utopias, pesticides covertly form negated idealised aesthetics and caring bodies shift between plastic; under the guise of maternal illegal labour. Walch simultaneously veils and reveals his knowledge to the viewer via his site-specific installational formats.
Text of the current show at EIGEN & ART Lab by Penny Rafferty.

www.raulwalch.net

Nadja Schöllhammer

Mittwoch, 30. Januar 2019, 20.30 Uhr 


Einzelausstellung Phalanx in der Kunststiftung-K52 
Galerie: Joachimstraße 17 / Ecke Auguststrasse, 10119 Berlin-Mitte 



Nadja Schöllhammer, Soul Inhaler, 2015, ARTER, Istanbul, Installation (Detail), Foto: Eric Tschernow

Nadja Schöllhammers Werkspektrum reicht von filigranen Zeichnungen und Cut-Outs bis zu überbordenden Wand- und Rauminstallationen aus Papier. Für die Installation Phalanx im Rahmen ihrer Einzelausstellung hat Nadja Schöllhammer Zeitungs- und Magazinfragmente mit selbst entwickelten Verfahren bearbeitet und damit Materialität und Inhalt der Bildträger verändert. Mit Tusche, Skalpell und verschiedenen Klebetechniken überführt sie das Ausgangsmaterial in einen Zustand der Zerklüftung bis hin zum Zerfall. Glatte Oberflächen werden zu schrundigen Häuten, geschönte Körperbilder zu Fratzen und maskenhaften Wesen. Sie scheinen gegeneinander anzutreten, sich zu verstricken oder zu einem kollektiven Körper zu verschmelzen.  Schöllhammer überführt Abbildungen von Gesichtern und Körpern von der Fläche zurück in die Dreidimensionalität. Die entstehenden Formationen verwebt sie im Raum zu Bildkörpern, in denen sich gestische und narrative Stränge wechselseitig bedingen. Es entstehen vielschichtige und skurrile, kämpferische bis tänzerische Allianzen.
Nadja Schöllhammer sagt über ihre Arbeit: „Durch selbst entwickelte Verfahren des erweiterten Zeichnens verwebe ich kollektive Erzählungen und Bilder mit meiner eigenen Imagination. Es geht mir um den Zusammenhang zwischen Material, Raum und Vorstellungskraft. Mit meinen begehbaren Bildern will ich sinnliche Erkenntnisräume schaffen.“
Für ihr künstlerisches Werk hat Nadja Schöllhammer zuvor schon zahlreiche Auszeichnungen und Förderungen erhalten, aktuell von der Kunststiftung-K52 Berlin und zuvor u. a. vom Künstlerhaus Schloss Balmoral, vom Kunstfonds Bonn, von der Akademie Schloss Solitude Stuttgart, von Goldrausch art IT Berlin und der Stiftung Künstlerdorf Schöppingen. Ihre Werke sind im In- und Ausland zu sehen, wie jüngst im Museum Rijswijk, Den Haag, sowie im Arp Museum Rolandseck, im ARTER Space for Art in Istanbul, im Marta Herford oder in der Kunsthalle Düsseldorf.

www.nadjaschoellhammer.de

Stefan Alber

Mittwoch, 23. Januar 2019, 20.30 Uhr 


Stefan Alber, Umbrella 122017, 
C-Print, Dimension variabel


In seinen Bildern, Objekten und Installationen beschäftigt Stefan Alber sich mit der Vielschichtigkeit der Beziehungen und Grenzen von Fotografie, Malerei, Skulptur und Architektur. Ausgehend von einem Raum, einem Objekt oder einer Situationen entwickelt er spezifische Fragestellungen mit denen er Prozesse, Produktionstechniken, Sehgewohnheiten oder soziale Zusammenhänge hinterfragt. Dabei experimentiert Stefan Alber mit der Wirkungskraft von Materialien und Oberflächen, knickt, faltet oder kombiniert sie, ähnlich einem Baukastensystem, mit Modulen aus Alltagsobjekten und Fundstücken. Viele seiner Arbeiten lehnen sich an Vorbilder an oder zitieren kunstgeschichtliche oder gesellschaftliche Ereignisse. Die Recherche ortsspezifischer Gegebenheiten spielt eine übergreifende Rolle.

www.stefanalber.de

Helene Appel

Mittwoch, 12. Dezember 2018, 20.30 Uhr



Helene Appel, Seelachs, 2018,
Enkaustik und Öl auf Leinen,  25.7 × 14.2 cm




Aussehen und Größe von Helene Appels gemalten Bildern bestimmen sich durch ihre Bildgegenstände. Diese, alltäglich und vertraut, wie Haufen von Sand, Wasserpfützen, Fleisch, Stoff, Plastik sind im Massstab eins zu eins und einzeln auf je eine unbehandelte Leinwand gemalt. 
Losgelöst vom räumlichen Umfeld dargestellt, erhalten die Gegenstände die volle Aufmerksamkeit im Detail und werden doch als Form wahrgenommen.  Jedem Objekt wird erlaubt ein Bild zu gestalten und strukturieren.

Helene Appel (*1976 in Karlsruhe) hat an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg und am Royal College of Art in London Malerei studiert. Sie lebt und arbeitet in Berlin.

Albert Weis

Mittwoch, 05. Dezember 2018, 20.30 Uhr


Im Zentrum für Aktuelle Kunst, Alte Kaserne, Zitadelle Spandau, Am Juliusturm 64, 13599 Berlin.


Albert Weis, parade, 2006/2018, Videoprojektion,
gekantete Lochbleche, Größe variabel

Die Ausstellung changes präsentiert skulpturale, fotografische und filmische Arbeiten des Berliner Künstlers Albert Weis (*1969 in Passau). Zentrales Thema seiner Kunst sind die Brüche und produktiven Leerstellen in der Moderne sowie in der deutschen und europäischen Geschichte. 
Ausgehend von architektonischen Inkunabeln, wie beispielsweise Hans Scharouns Berliner Philharmonie, entwickelt Weis, der an der Akademie der bildenden Künste in München Bildhauerei studierte, analytisch angelegte Re- bzw. Neu-Inszenierungen räumlicher, visueller und atmosphärischer Art. Seine multidimensionalen Settings bewegen sich dabei selbst an der Schnittstelle zwischen Architektur und Display, zwischen technischer Konstruktion und künstlerischem Objekt. Sie schaffen Räume im Raum und eröffnen im Transfer der Formen in einen veränderten Kontext neue assoziative Zugänge zur Architekturtheorie der Moderne und ihren utopischen Inhalten. Im Zentrum der Ausstellung changes stellt Albert Weis eine bewusste Referenz an die perfekte Renaissanceform des sternförmigen Zitadellengrundrisses  im sog. „Lynarplan“ von 1578 her. Im Abgleich mit formalen Konstanten moderner Architekturen von Hans Scharoun, Bruno Taut, Mies van der Rohe oder Walter Gropius weitet der Künstler so den Blick auf soziale und politische Fragestellungen im Kontext von Architektur, Staat, Krieg und Identität. 
(Ralf F. Hartmann) 

 http://www.albertweis.com

Peter Dobroschke

Mittwoch, 28. November 2018, 20.30 Uhr



 Stefan Alber und Peter Dobroschke, Immobiliengarderobe2018

In meiner künstlerischen Arbeit setze ich die Rahmenbedingungen des Kunstschaffens in den Fokus meiner Betrachtung. Ob Ausstellungsraum oder Atelier, der Raum in dem Künstler mit ihrer Umgebung, dem Schaffen  und letztendlich vorwiegend auch mit sich selbst konfrontiert werden, dient mir als Bühne einer eigenen Autopsie. 
So entstanden in den letzten Jahren Videos, Fotos und Raumskulpturen, welche die starren Sehgewohnheiten beim klassischen Kunstkonsum optisch wie auch inhaltlich hinterfragen.

Aus aktuellem Anlass habe ich zusammen mit Stefan Alber während der Sommerausstellung Ufer Open 2018 in den Uferhallen die Installation Immobiliengarderobe  gezeigt. Mein Atelier diente hier - widersprüchlich zu den angekündigten „offenen Ateliers“ – als hermetisches Schaufenster zur Präsentation einer Status-Quo-Skulptur aus der Planungswerkstatt vom absurden Immobilienbuffet an der Panke - von der Realität stetig inspiriert bis irritiert.

Peter Dobroschke im November 2018 


www.peterdobroschke.de


Robert Estermann

Mittwoch, 14. November 2018, 20.30 Uhr


Robert Estermann | Spectacular Interferometry (detail) |
Archive Kabinett, Berlin 2018


Die Vielzahl der von Robert Estermann eingesetzten künstlerischen Techniken verdankt sich seinem intensiven Interesse an der Neuentwicklung experimenteller Arbeitsweisen, durch die er zwischen körperlicher Erfahrung, realen und imaginären Räumen zu vermitteln sucht. Sein bildnerischer Grundimpuls liegt von Beginn an im Performativen, das seither neue Kommunikationswege – vor allem in der Zeichnung – erschlossen und sich dadurch in erheblichem Masse ausdifferenziert hat. Gerade im Zeichnerischen hat sich Estermann in den vergangenen Jahren ein reiches Ausdrucksspektrum erschlossen: Konnte er bereits mit seinen frühen, meist kleinformatigen Bleistiftzeichnungen erhebliche Wirkungsmächtigkeit schaffen, so arbeitet er inzwischen bei seinen Zeichnungen mit schwarzen Faserstiftlinien an etwas unerhört Gewagtem, riskiert mit jedem Blatt etwas, das im heutzutage eigentlich massiv besetzten Gebiet der freien künstlerischen Zeichnung kaum mehr möglich erscheint: Man hat es vor den oft seriell angelegten Blättern nie bequem, sie sind direkt, und sie zeigen unseren durch allzu viel abgestandene Virtuosität verzogenen Augen, dass der Künstler mit voller Überzeugung das Neue sucht. Sie sind anspruchsvoll, insofern sie kompositorische, linguistische, morphologische und topologische Sünden, Überschreitungen, Volten und Sprünge riskieren, die herkömmliche Vorstellungen, etwa vom „Gelungensein“ einer Zeichnung oder eines Bildes, unterlaufen. Das vermeintlich Naive oder Triviale entfaltet sich bereits bei minimalem Eigeneinsatz von Vorstellungskraft in reale und vorgestellte Räume hinein, führt subtile Unterhandlungen zwischen individuellen und gesellschaftlichen Zukunftserwartungen, zwischen subkulturellen, erkenntniskritischen und identitätsbezogenen Bildbegriffen. Es verzeichnet die Bruchstellen zwischen den verschiedenen Medien und Techniken deutlich und erkennt sich in der radikalen Ausübung von Freiheit als eigentlicher künstlerischer Tätigkeit wieder. 
Estermann Zeichnen sucht sich immer wieder neue Gründe – im buchstäblichen und im übertragenen Sinn. So nutzt zum Beispiel seine zeichnerische Installation „Reflections on Windowpanes in a Cartoon with Ourselves as Evolving Fictions“ (2005-2015) die Oberfläche der Fensterscheiben des betreffenden Ausstellungsraums. Der Titel beschreibt, was man (vielleicht nicht auf den ersten Blick) sieht: Das aus parallelen Faserstiftstrichen gebildete, in Comics und Karikaturen konventionalisierte Zeichen für spiegelnde oder halbtransparente Glasflächen, das hier auf realen Fenstern angebracht wurde. Dann aber bezieht sich der Titel auch auf eine andere Ebene, die emphatisch in den Raum der Betrachter/innen ausgreift und diese mit der vereinnahmenden Wortwahl des „uns“ („ourselves als evolving fictions“) in ein utopisch-gesamtgesellschaftliches Experimentieren einbezieht, bei dem die Identitäten der Einzelnen als sich entfaltende Entwürfe verstanden werden. Die Reflektionslinien auf den Fensterscheiben sind materiell gewordene Superzeichen, die nicht nur die unterschiedlichen Realitätsstufen von Innen und Außen eines Raums erlebbar machen, denn sie zeigen mit Schlichtheit und Eleganz, wie einfach platzierte Striche dem Bewusstsein aus dem konkreten Erleben heraus Zugang zu anderen, neuen, zukünftigen Realitäten verschaffen.
Das Gestische, vorwärts Tastende versteht Estermann nicht nur im Zeichnerischen als performativen Akt auf, der auf bereits definierte (Kunst-)Räume ausgreift – auch in anderen Medientechniken versucht er das materielle, körperliche  Substrat des Erinnerns, des Erkennens und Vorstellens mit ins Bild zu setzen und Betrachter/innen verfügbar zu machen. In seinem seit einigen Jahren entwickelten Web-Projekt riding.vision erforscht er mit filmischen und fotografischen Mitteln die affektiven Potenziale der Immersion in eine reale Vorstellungswelt, in der sich das Reiten zu Pferd an endlosen Stränden von der kulturell etablierten Metapher zur ernst gemeinten Zukunftsvision entwickelt, dabei aber queere und subkulturelle Konnotationen gleichberechtigt neben andere Erkenntnisformen setzt.

Text: Clemens Krümmel