Julia Münstermann

Mittwoch, 03.11.2021, 20.30 Uhr 

Der Talk findet im Studio der Künstlerin statt.



Julia Münstermann, 
ENTROPY, 2020-21, ink and salt on paper, 18 x 50 x 65 cm, Studio Berlin


Entropie ist das physikalische Maß für die Unordnung. Unser Universum strebt einem Entropie-Maximum entgegen, das heißt, wirkt keine Kraft dagegen, nimmt die Unordnung zu. Dennoch schafft es die Gravitation, Gebilde zu erschaffen, die strukturiert, also ordentlicher sind. So formen sich Cluster, Galaxien, Sonnensysteme, Sterne und Planeten. Unsere Galaxie, die Milchstraße, beispielsweise ist eine rotierende Spiralgalaxie, die durch ein Schwarzes Loch in seiner Mitte und durch Dunkle Materie zusammengehalten wird. 
In den Bildern der Serie ENTROPY entstehen ebenfalls Strukturen aus der Unordnung – aufgrund der Lösungsenergie der Salzkristalle in der flüssigen Tusche bilden sich neue Galaxien, interstellare Nebel und schwarze Löcher. Im Entstehungsprozess stellt sich gleichsam die Frage nach Chaos, Ordnung – und Entropie.
Julia Münstermann setzt sich in Ihren Arbeiten mit Licht, Farbe und Raum, den Grenzen der Sichtbarkeit und der veränderten Wahrnehmung durch das technische Bild auseinander. Die Malerei steht dem digitalen Bild als materielles handgemachtes gegenüber. 
Beim Art-Meets-Science-Projekt “Dark Matter” am Teilchenlabor DESY erforschte Sie in der Serie ELECTRIC SHADOW durch das Malen von Licht-Bildern, die als Nicht-Bilder in Erscheinung traten, die Sichtbarmachung von Phänomenen wie der eigentlich unsichtbaren Dunklen Materie. Von der mikroskopischen Welt, die durch Teilchenbeschleuniger sichtbar gemacht wird, geht nun bei der Serie ENTROPY der Blick ins All, wo Weltraumteleskope wie Hubble Schwarz-Weiß-Bilder bis an die Grenze des Sichtbaren aufnehmen und so in die Geschichte des Universums zurückblicken. Wie das Mikroskopische ist auch das Makroskopische unfassbar. Dieses Erscheinen von Bildern spielt Julia Münstermann in der Malerei nach, unter Einbezug des Zufalls, um die Grenzen des Visuellen in unserer durch Bilder überfluteten Welt zu untersuchen.

Prof. Dr. Christian Schwanenberger



www.julia-muenstermann.de





Michelle Letelier

Mittwoch, 15. 09.2021, 19:30 Uhr

Der Talk findet im Studio der Künstlerin statt. Um Anmeldung wird gebeten.


Michelle Letelier, Am I Ancient or A Human-Made Machine?
solo exhibition detail, 2021, Or Gallery, Vancouver, Canada, 2021



Michelle-Marie Letelier was born in 1977 in Rancagua, Chile. She currently lives and works in Berlin.

Her multimedia installations, photographs, videos, drawings and objects embrace orchestrated transformations of natural resources, alongside extensive wide-ranging, interdisciplinary research into the landscapes where their exploitation and speculation take place. Through her work, she places together different epochs, regions and societies, examining political-economic, historical and cultural aspects.

Michelle-Marie Letelier spent her early life in Chuquicamata, a space of copper deposits in the middle of the Atacama Desert of mined since pre-Hispanic times, annexed by Chile in the Saltpetre War (1879-84), and home to the largest copper mine in the world. When the town was to be buried due to new mining policies, Letelier returned to document this process—a pivotal moment that ushered in her practice.

Since establishing in Berlin in 2007, she has been particularly invested in examining five resources: coal, copper, saltpetre, wind and, more recently, salmon, in order to create a poetic work applying their properties - such as electrical conductivity, crystallisation and agency. In her practice, she experiments with chemical and physical transformation processes that produce the artworks themselves, as well as their poiesis, beyond the extractive industry and its forms of control.

The work of Michelle-Marie Letelier carries heavy socio-political overtones; it is eloquently reflective especially in times of unveiled globalisation, the increasing scarcity of raw materials and the crisis of the neoliberal model.

www.michellemarieletelier.net

Christl Mudrak

Mittwoch, 22. September 2021, 18.30 Uhr

Der Talk findet im Außenbereich des Atelierhauses Lobe Block statt.

Adresse: Böttgerstrasse 16, 13357 Berlin




Christl MudrakKeep Driving, September 2021, Arbeitsskizze, Grünefeld


Auf der Außenseite des Wagens ist eine Leinwand befestigt. Das Auto fährt, während auf die Leinwand gemalt wird. Es geht um direktes Handeln, das keinen Aufschub duldet. Das Entkoppeln von Kontrolle und Bildgestaltung soll befördert werden. Eine bestimmte Anstrengung und physische Verausgabung könnte ein anderes Ergebnis möglich machen. Schon bei einer Geschwindigkeit des Wagens von zehn Stundenkilometern bewegt sich die Leinwand pro Sekunde um etwa 2,80 m weiter, was die Länge dieser Leinwand bei weitem übertrifft. Folglich hat die Person am Steuer bei dieser Art der Zeichnung oder Malerei einen erheblichen Einfluss auf das experimentelle Bildergebnis. Die Geschwindigkeit der Bewegung wird die Präzision der Pinselstriche und die Qualität der Malerei beeinflussen. Die potentiellen Kräfte und Fähigkeiten der beiden Beteiligten auf das Bild einzuwirken, scheinen ungleich verteilt. Während die malende Person die Leinwand betrachten kann, fehlt der fahrenden diese Möglichkeit. Die Kommunikation beider sollte für eine gute und sichere Arbeitsfahrt und Malweise adhoc funktionieren

Franziska Goes

Mittwoch, 15. 09.2021, 20 Uhr

Der Talk findet im Studio der Künstlerin statt.

Franziska Goes, links: Gefühl für Poesie/Purpurblau, 2020/21, rechts: Tag/Nachtbild, 2020, beide Gemälde 180 x 170 cm, 
Acryl auf Baumwolle, Ausstellungsansicht 2021, Galerie Knust Kunz Editionen München, Fotografie: Sigfried Wameser


Paradoxale Räume 

Zur Malerei von Franziska Goes 

Es beginnt mit einer Auswahl an Farben, die von Franziska Goes auf unterschiedliche Art und Weise flächig auf die Leinwand aufgetragen werden. Damit ist eine Stimmung vorgegeben, die das Bild am Ende immer noch bestimmen wird. Die räumlichen Wirkungen der Farben untereinander lassen einen Farbraum entstehen, der stets die Grundlage des Bildes ist. 

Erst dann kommen die Formen hinzu, angelegt in räumlichen Verflechtungen, etwa wenn einzelne Bildfelder wie Fenster auf eine andere Ebene erscheinen. Jedes Bildelement ist dabei von einer eigenen Farbigkeit und Textur. Es finden sich diverse Arten des Farbauftrags, der sehr schnell oder sehr langsam erfolgen kann: von glatt gestrichen, informel gesetzt bis mit dem Pinsel oder Schwamm getupft sowie mit Airbrush gesprüht, dabei die Farbflächen scharf voneinander abgrenzend oder weich ineinander übergehend. 

Die Künstlerin sagt selbst: „Im Bildraum bewegen sich die Formen und Flächen in rhythmischer Interaktion, eine dynamische Balance entsteht, wo ein Element das andere berührt und etwas auslöst im Gefüge. Sie verschieben sich jeweils in einen anderen Aggregatzustand und entwickeln Ambivalenzen untereinander, visualisiert durch die Erfindungen der Malerei.“ 

Die verschiedenen Oberflächen schaffen auf der Bildfläche räumliche Beziehungen, die sich jedoch nicht eindeutig auflösen lassen wie bei einem perspektivisch konstruierten Raum. Goes’ Bildkompositionen beruhen auf einer paradoxalen Verschränkung, die sich am deutlichsten im Verhältnis von Fläche und Raum zeigt. 

Es handelt sich um eine fast architektonische Bildauffassung, bei der sich die Komposition wie ein Gerüst oder Geflecht aufbaut. Die bemalte Bildfläche ist dabei beinahe wie eine Skulptur aufgefasst, die, auch wenn man sie nicht umwandern kann, sich im gleichen Raum wie wir befindet. Wir tauchen nicht nur in das Bild hinein, sondern es kommt uns gleichsam entgegen. 

Wenn sich die Bildelemente teilweise überschneiden und ein Übereinanderliegen verschiedener Ebenen suggeriert wird bzw. auch tatsächlich vorhanden ist, mag man an die beliebig an- und wegklickbaren Layer digitaler Bildprogramme denken. Doch so sehr ein gemaltes Bild auch von der visuellen Umwelt geprägt ist, so sehr ist es bei Franziska Goes immer eine Reflexion dieser mit den Mitteln der Malerei selbst und gleichsam über sie. Sie selbst versteht dies als „eine Art Sampling Strategie über Varianten malerischen Ausdrucks im Hier und Jetzt, bei der künstlerisch so frei und präzise wie möglich ein visueller und physischer Ereignisraum geschaffen wird.“ 

Ludwig Seyfarth, Berlin 2020


Anja Nitz

Mittwoch, 08.09.2021, 20 Uhr

Der Talk findet im Studio der Künstlerin statt.



Anja Nitz, Ansicht des Ausstellungsaufbaus, Japanisches
Palais Dresden, 2019


In meiner Arbeit setze ich mich mit gesellschaftlich relevanten Institutionen und Einrichtungen auseinander, die eine öffentliche Funktion haben, aber nicht - bzw. nur teilweise - öffentlich zugänglich sind. Ich habe zum Beispiel in Klinikgebäuden, Botschaftsgebäuden, Museumsdepots, an Staatsbibliotheken oder universitären Sammlungen gearbeitet. Mein Arbeitsmedium ist in aller Regel die Fotografie: Ich portraitiere die Räumlichkeiten der Institutionen, die im Zusammenhang ihrer jeweiligen Funktion oder des jeweiligen Aufgabengebiets eine entscheidende Rolle spielen. Dabei fokussiere ich zum Beispiel auf die Konventionen in der Raumgestaltung, auf die Ordnungs- und Leitsysteme, auf die Bestimmung und Differenzierung von repräsentativen Räumen im Gegensatz zu nebenseitigen und abseitigen Räumen oder auf den Umgang mit Material und Oberfläche. Ich versuche zu visualisieren, wo und wie sich formale und begrifflich abstrakte Vorstellungsweisen innerhalb der räumlichen Ausgestaltung niederschlagen. Mich interessiert, wie gesellschaftliche Vorstellungswelten mit der visuellen Erscheinung von Arbeitswelten verschmelzen und auf welche Weise sich diese im Laufe der Zeit verändern. Dazu portraitiere ich meist die Innenräume der Gebäude mit dem Ziel, auf Selbstverständliches, Zufälliges ebenso wie auf bewusst Inszeniertes aufmerksam zu machen - vor allem dort, wo die Räume der Abbildung von allgemein gültigen Überzeugungen dienen. Ich arbeite meist seriell und habe viele meiner Arbeiten in Form von Publikationen veröffentlicht. Für meine Ausstellungen versuche ich, eine installative und raumbezogenen Umsetzung zu erreichen.
Anja Nitz


 

Heike Baranowsky

Mittwoch, 24.03.2021, 20 Uhr

Der Werktalk findet als virtueller Talk auf einer digitalen Plattform statt.



Heike BaranowskyWosa (Coyote’s Burden Basket), 2019, stop/ motion Animation, 9:23 Min. Loop, 
35 mm Film Installation, ohne Ton



        

Der konzeptionelle Ansatz von Baranowskys Arbeit liegt im Perspektivwechsel: Die Haltung des stillen Beobachtens von Phänomenen schließt die Handlung des Bauens von Bildwirklichkeiten nicht aus. Baranowsky interpretiert das Medium Video dabei auf besondere Weise. Sie verwendet Video sowohl zur Aufnahme als auch zur Konstruktion von raumzeitlichen Realitäten. Baranowskys Kamera ist weder rein passiv noch nur aktiv. In bestimmten Momenten zeigt sie schlicht, was zu sehen war.

So nutzt sie in manchen Filmen zum Beispiel die aus dem Trickfilm bekannte Technik der Stop-Frame-Animation. Erst nimmt sie Bild für Bild auf, dann reiht sie die Einzelbilder in Filmsequenzen auf. Wenn ein Gegenstand oder die Kamera selbst von Bild zu Bild minimal bewegt wurde, entsteht im Zusammenschnitt der Eindruck, die Dinge oder der Blickwinkel bewegten sich. Die Veränderung der Geschwindigkeit, mit der die Bilder ablaufen, bewirkt in anderen Arbeiten vergleichbare Verschiebungen in der Wahrnehmung.

 

 

 

heikebaranowsky.de 

 

 

Philip Topolovac

Ursprünglich für Mittwoch, 25. März 2020 um 20.30 Uhr geplant, muss das Gespräch wegen aktuellem Anlass auf unbestimmt verschoben werden.

Das Gespräch findet im Atelier des Künstlers statt.



Philip TopolovacI´ve never been to Berghain, 2016; Photo: Ingo Lawaczeck, 2017


The questions of image and reality, of formats and sizes of the aesthetic, are constantly being raised in new ways by Philip Topolovac in his work. The mechanisation of the modern world, the omnipresence of technologies that hardly anyone still understands, and the changes this brings about in the way we perceive things, are themes that preoccupy Topolovac, as is the precise observation of landscapes.
Observant and playful, using the sense of touch or a historical perspective, he attempts to uncover the essence of things in his sculptures, installations, and series of slides. Philip Topolovac searches for the significant in the marginal. Ironically, the methods of observation that Topolovac presents to us reveal at the same time their limitations: everything perceived by the senses, the results of all observations, remain in the final analysis subordinate to the subjective interpretation of human beings.

www.philip-topolovac.com

Tim Cierpiszewski

Samstag, 16. November 2019, 14:00 Uhr

Der Werktalk findet in der aktuellen Ausstellung von Tim Cierpiszewski im Hilbert Raum statt. 

Adresse:

HilbertRaum

Reuterstraße 31
12047 Berlin

LIKE A HOUSE, Tim Cierpiszewski, Gesellschaft für zeitgenössische Kunst Osnabrück e.V., Osnabrück, 2019

After studying philosophy, Tim Cierpiszewski studied fine arts at the Art Academy Münster. He deals with the potential possibilities of architecture, far away from statics and building conditions. So his artistic interest is directed to the architecture surrounding art. On the one hand, this acts as a starting point for display-related work, not only referring to the architectural context, but also actively incorporating it into the artistic process. On the other hand, by incorporating irregularities and disruptive elements into his work, Cierpiszewski literally works off the found specifics of the exhibition spaces and creates differences to these - an expanded architectural approach, a material reflection of the exhibition display.

For some time, the artist has complemented his actual spatial and architectural working method by involving other spaces or other spatial terms. For example, he takes account of our collective social (image) consciousness, the virtual space of the Internet, and uses a wide variety of image downloads as the basis for various image sampling and remixing, in order to combine this with the specific exhibition architecture. It creates complex entanglements between building form and content, the omnipresent Internet and wall designs that are presented in surprising installative contexts.



Mathias Kern, 2019



Friederike Feldmann

Mittwoch, 30. Oktober 2019, 20:30 Uhr

Der Werktalk findet in der aktuellen Ausstellung in der Kindl-Brauerei statt. Die Ausstellung wird kuratiert von Andreas Fiedler.

Adresse:  
KINDL – Zentrum für zeitgenössische Kunst
Am Sudhaus 3
12053 Berlin


Bitte den Haupteingang benutzen.


PS 8, Friederike Feldmann, pigmentierte Tusche auf Nessel, 120 x 80 cm, 2011; Foto Jens Ziehe

Friederike Feldmann nähert sich der Malerei in reflektierender Außenperspektive von immer neuen Seiten und übersetzt den analytischen Blick in eigenständige Formensprachen. Sie fokussiert vor allem malerische Kernaspekte wie Gestus, Textur und Repräsentation, Autorschaft.


 Text: Jens Asthoff



www.friederikefeldmann.de 

Ilona Kálnoky

Mittwoch, 18. September 2019, 20:30 Uhr




Ilona Kálnoky, Installation, Traklhaus

Was zur Hand ist
Ilona Kalnokys plastische Enzyklopädie

Falten, mischen, schütten, quetschen, schichten, rollen, stapeln – all diese Tätigkeiten hat Ilona Kalnoky in den letzten Jahren immer wieder vollführt. Für diese Handlungen hat sie einfachste Materialien benutzt: Sand und Salz, Ton und Beton, Schaumstoff und Plexiglas. Manche der so entstandenen Objekte sind für sich genommen recht unspektakulär, manche existieren garnicht mehr; so der Gipskloss, den sie mit Wucht an die Wand geschleudert hat und der dort auseinandergeplatzt hängen blieb. Da prangt er jetzt noch als Zeugnis einer hoch emotionalen Handlung. Anderen Objekten hingegen hat die Zeit unfreundlich mitgespielt: Bei der Schaumstoffrolle, die Kalnoky nahezu mittig gefaltet, in einen oben offenen Plexiglaskasten gepresst hat, sind die beiden unterschiedlich lang herausschauenden Enden vergilbt, während das Mittelstück makellos geblieben ist. Auch der weisse Ballon schliesslich, den die Künstlerin in eine Schraubklemme gezwungen hat, wird nicht ewig so schön prall bleiben und sich mit seiner Oberflächenspannung der Klemme entgegenstemmen. Nach und nach wird er Luft verlieren und irgendwann als leerer Schlauch zwischen den offenen Enden der Klemme liegen.

Beiläufigkeit statt Verewigung
Mit klassischer Bildhauerei hat das natürlich wenig zu tun. Schliesslich war diese doch auf Dauerhaftigkeit des Abbildes und somit auf Verewigung des oder der Dargestellten angelegt: Bilder von Helden und Herrscherinnen, Heiligen und Allegorien wurden darum mit Vorliebe in Marmor geschlagen und Bronze gegossen, um die Erinnerung an sie so lang wie möglich wachzuhalten. So bevölkern Franz Joseph I und Wilhelm II, Mozart und Wagner, Grillparzer und Goethe noch heute vorzugsweise die städtischen Anlagen und gemahnen an manchmal nur noch vergangene Grösse.
Für die Kunst des 20. Jahrhunderts, die Eigenschaften wie Dynamik und Metamorphose feierte, war die Skulptur just aus den vorgenannten Gründen eher ein Wechselbalg denn ein geliebtes Kind. Die bahnbrechenden Neuerungen schienen sich sowieso eher in Malerei und Zeichnung, wenn nicht gar nur in den neuen Medien wie Fotografie und Film und den ephemeren Gattungen wie Performance und Konzept zu ereignen. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg holte die Skulptur mit der Adaption von alltäglichen Materialien wie industriell hergestellten Stoffen und neuen Präsentationsformen wie der Kinetik den Vorsprung der anderen Gattungen auf.
Hier kann Ilona Kalnoky anknüpfen, wenn sie Materialien wie Schaumstoff oder Zement verwendet, die eigentlich aus der Produktion von Gebrauchsobjekten stammen und von Kunstströmungen wie der Pop Art just wegen ihrer Banalität schon in die Kunst eingeführt worden sind. Die Stoffe sind günstig verfügbar, schnell bei der Hand und vermitteln daher unmittelbar den konzeptuellen Charakter der meist kleinformatigen Arbeiten. Denn um die besonderen handwerklichen Fähigkeiten, die es zum Hauen von Skulptur oder Giessen von Plastiken braucht, geht es bei Kalnokys Arbeiten offensichtlich nicht. Vielmehr zielen sie ab auf das Ausprobieren und das Vermessen der künstlerischen Möglichkeiten der Plastik, die prinzipiell auf Aufhäufen, Anfügen und Verformen von zumeist weichen Massen beruht.

Leib statt fester Form
Dabei soll die alltägliche, unvirtuose, plastische Geste, die die Formveränderung hervorgebracht hat, ebenso sichtbar bleiben wie der körperhafte Charakter der Arbeiten: Wie ein lebendiger Leib sollen die Plastiken aufrechtstehen und sich strecken, aber auch beengt sein und zusammensinken, sich zersetzen und verfallen. Hier liesse sich fragen, ob es eine typisch österreichische Plastik gibt, die sich mit einer deutlichen Prise Humor vor allem für die Bedingungen des Leibes interessiert, von den physiognomischen Experimenten Franz Xaver Messerschmidts über die Performances der Wiener Aktionisten und Franz Wests Passstücke zu Erwin Wurms One-Minute-Sculptures reicht und unter die sich Ilona Kalnokys Plastiken einreihen lassen.

Die Verbindung von Konzeptualität und Körperhaftigkeit, die Kalnoky in ihren Arbeiten schafft, zeigt sich darüber hinaus darin, dass sie die Enzyklopädie der plastischen Begriffe, mit denen sich ihre Arbeiten beschreiben lassen und die eben auch Phänomene des menschlichen Leibes und seiner Psyche wie Lachen umfassen, in der Ausstellung von einem Schauspieler lesen lässt, sodass Stimme und Klang ebenfalls zu Anteilen des plastischen Prozesses werden.

© 2017 Heinz Stahlhut



www.ilonakalnoky.de 



Rani Le Prince

Mittwoch, den 21.08.2019 um 20.00 Uhr



Rani Le Prince, bambou latitude  3, 2018,
Aquarell, Acryl, Farbstifte, Kupfer auf porösem Papier, 70 cm x 75 cm




La vitesse ou la vie?


Zeichnen ist mein Lebensmittel.




ranileprince.de


Astrid Busch

Mittwoch, den 05.06.2019 um 20.30 Uhr


Astrid Busch, Hyperloop, 2019, 
Installationsansicht DB Museum Nürnberg


Basis für meine künstlerische Arbeit im allgemeinen ist die Auseinandersetzung mit Orten, die mich aufgrund ihrer architektonischen, historischen und sozialen Kontexte interessieren. Ich untersuche und reflektiere dabei ihre verschiedenen architektonischen und historischen Ebenen und Erinnerungsstrukturen. Durch die Dichte der Fragmente wird das Reale segmentiert und in neue Zusammenhänge gestellt. Meine Installationen sind offen für Einflüsse aus Architekturgeschichte, Film, Literatur oder auch Musik. Wandgroße Fotografien, Fotoobjekte und Videoinstallationen, deren Grundlage im Studio gebaute Objekte aus verschiedenen, sowohl gefundenen, wie eigens hergestellten Materialien sind, treten in einen Dialog mit dem realen Raum, erweitern und transformieren ihn.

Mein Interesse gilt den wechselseitigen Bezügen von Fotografie, Video und Projektion im Raum im Zusammenhang mit ortsspezifischen Interventionen. Analoge und digitale Techniken agieren im Wechselspiel. Die Vielfalt der Medien und das Verwenden unterschiedlichster Materialien führt zu einer Intermedialität meiner fotografischen Praxis. Die Stadt als Ort im andauernden Prozess der Bewegung und Veränderung findet eine Umsetzung in meinen multimedialen Rauminszenierungen. Durch Projektionen versetze ich meine Bilder in immer wieder neue Konstellationen und Erscheinungsformen. Dabei wird der architektonische Entwurf als interdisziplinärer Prozess verstanden und die Übersetzung dessen in multimediale Inszenierungen begriffen. Ich wende mich dabei dem Raum sowohl inhaltlich, als auch mit ebensolchen Mitteln zu, indem ich Bildmaterial als architektonische Elemente im Raum betrachte und bewusst mit Dimensionen und Größenverhältnissen spiele. Ich bediene mich dabei in Form jener Mittel, die auch an den jeweiligen Orten zu finden sind, wie Lichtverhältnisse, Klangkulissen und Materialitäten. Somit thematisieren meine Installationen den jeweiligen Charakter eines Ortes, während sie zugleich selber neue Orte ausbilden. 

 
Astrid Busch

Hanns Schimansky

Mittwoch, d. 15.05.2019


Das Gespräch findet in der aktuellen Ausstellung von Hanns Schimansky in der  
Galerie Inga Kondeyne, Carmerstraße 10, 10623 Berlin, statt.


o.T., 2019, Faltung, Tusche, Gouache, 52 x 56 cm



„In den Faltungen, wie andere schon erwähnt haben, transferiert der Künstler eine Zeichnung in eine physische Präsenz, ein tastbares Ding, dessen gefaltete Oberfläche zusammen mit den gezeichneten Formen wirkt. Die Abstände, die die Formen trennen, sind dabei genauso wichtig wie die Formen selber. Und trotzdem ist es wieder einmal unmöglich, eine zugrundeliegende Ordnung in ihrer Platzierung zu erkennen. Das Reich, in dem sie sich befinden, und das sie definieren, ist vollkommen abstrakt. Wir haben eine Welt erlebt, die außerhalb der diskursiven Sprache zugleich unnahbar und intim, zurückhaltend und ausdrucksstark ist. Indem er über den Geltungsbereich der Sprache und ihrer Fähigkeit zu verbalisieren hinausgeht, erzielt Schimansky sehr differenziertes und ganz bestimmtes Sehen und Betrachten. Diese Umstände vermischen unwahrscheinliche Möglichkeiten wie Ehrfurcht und Furcht, Verspieltheit und Verzweiflung, Gemeinschaft und Isolation. Solch starke, fantasievolle Mischungen sind wichtige Bestandteile für die Neubildung unseres täglichen Lebens. Deshalb ist Schimanskys Arbeit so wichtig.“ John Yau, Necessary Drawings, Katalog: Hanns Schimansky La Ligne Claire, S. 69

Antonia Low

Mittwoch, 27.03.2019 um 12.00 Uhr


Das Gespräch findet in der Ausstellung There Is Fiction in the Space Between im NBK in der Chausseestraße 128-129, 10115 Berlin-Mitte statt.


Antonia Low, Rückzug des Materials, 2019,
 Installationsansicht, Neuer Berliner Kunstverein (n.b.k.) 


In den Museen von Rom füllt die Nacht die Säle, wo die Meisterwerke stehen: „Die schlafende Furie“, „Der Hermaphrodit“, „Die Venus Anadyomene“, „Der sterbende Gladiator“, Marmorblöcke, die den großen allgemeinen Gesetzen unterliegen, welche das Gleichgewicht, die Schwere, die Dichte, die Dehnung und Kontraktion von Steinen bestimmen und nichts davon wissen, dass seit Jahrtausenden tote Künstler ihre Oberfläche nach dem Bild von Wesen eines anderen Zeitalters geformt haben. Die Nacht nimmt die Ruinen der antiken Monumente in sich auf, diese privilegierten Bruchstücke der Vergangenheit, mit ihrem Schutzgitter und dem leeren Stuhl des Kontrolleurs neben dem Drehkreuz. Auf der Triennale der modernen Kunst sind die Gemälde nur noch auf Rahmen gezogene Leinwandvierecke mit einer ungleich aufgetragenen Kruste von Farben, die in diesem Augenblick alle ein einziges Schwarz sind. 

Marguerite Yourcenar, in: Eine Münze in neun Händen, 1971


Alex Müller

Mittwoch, 13.03.2019 um 20.30 Uhr



Alex Müller, das Wüstenhallo, 2018, Tusche, 
Graphit auf Leinwand, 89x100cm


Die Tage werden nicht gezählt.
Die Laune schwimmt im vollen Bade.
Der Rhythmus verliert sich nie und nimmer.
Das Pop Corn ist vorhanden.


Alex Müller freut sich auf Euren Besuch und serviert Äpfel. 

Andreas Sell

Mittwoch, 27.02.2019 um 20.30 Uhr



Andreas Sell, German Evangelical Gay - #2, 2012, foam, MDF, synthetic leather, 
metal screws, 370 (l) x 154 (b) x 272 (h), Photo courtesy: Jule Felice Frommelt


Andreas Sell works on the creation of space. He maps out, builds, arranges and represents a space to receive the self and the other; a physical, mental and sentimental space to expose or protect, to be visited or inhabited. Thus his practice explores personal and social relationships and investigates how people engage with their surroundings. It involves processes of transition, adaptation, attachment and detachment, starting from his personal experience. His work coincides with his life story, resulting in both a material and immaterial narration.
After a long wander and life ‘on the road’, he returned to Berlin, his base at the time, for a little while. He worked for four months on dismantling and assembling anew the
furniture and appliances of his apartment transforming them into sculptures. His home was serving both as a living and working space while his everyday objects became sculptures that he could still use. He presented them in situ turning his apartment also into an exhibition space. The title of the show, German Evangelical Gay, 2012 recalls a classified ad applied to the supply and demand protocol; it gives too much and at the same time too little information about what is exhibited and who exhibits. The exhibition challenged the effort of categorization addressing the multiplicity of identities and eventual contradictions that one incorporates. At the end of the show he left again.
Galini Notti (excerpt from: Guidelines 2015-2012)


www.andreassell.com