Wolf von Kries

Samstag, 14. Februar 2026, 16.30 Uhr

Das Gespräch findet in seiner Ausstellung Warten bis es wieder heller wird bei         
SH( )P in der Kastanienallee 40 in 10119 Berlin statt.



Wenn man sich im Spätsommer morgens in den Laden setzt und die Sonne durch den Kastanienbaum ins Schaufenster scheint, beginnt  alles mit einem kleinen Lichtpunkt oben rechts im Fensterkreuz. Allmählich tauchen weitere auf, bilden Gruppen, die sich mit den Ästen des Baumes im Wind wiegen oder plötzlich aufleuchten und gemeinsam in einer Diagonale unmerklich langsam die Scheiben hinunterziehen, bis sie schließlich am Boden angekommen sind. Diese Projektion wird filmisch aufbewahrt.

Ein halbes Jahr später, gegen Ende des Winters, stehen in den Regalen des Ladens eine Reihe von Gläsern, deren meist organische Inhalte unterschiedliche Transformationsprozesse durchlaufen. Wurzeln, Kakteen, Früchte oder Nüsse gären, fermentieren, kristallisieren und reifen in dem Intervall zwischen zwei Verkaufsveranstaltungen. Es sind Gläser oder Rezepte von Freunden des Künstlers, die diese für die Ausstellung angesetzt haben. Angereichert mit eigenen Referenzen und Assoziationen entsteht ein Reigen aus Transformationen und sich fortschreibenden Mustern. Der Sommer wird konserviert, in einem Vakuum. Wenn ein Kind einen Laden betritt, erscheint er als Wunderkammer versammelter Dinge. Die Logik des Kaufens verschwindet. Im Schaufenster bleibt das Licht des Sommers.



Silva Agostini

Mittwoch, 28. Januar 2026, 18 Uhr

Das Gespräch findet in Agostinis Ausstellung Around Living Things bei SH( )P in der Kastanienallee 40 in 10119 Berlin statt.



Around Living Things umfasst eine Reihe von collagierten Bildkompositionen, die in Zeichnungen umgesetzt wurden. Sie beschäftigen sich mit skulpturalen Darstellungen antiker Schauspieler aus griechischen und römischen Komödien, die sich durch ihre charakteristischen Masken auszeichnen. Durch digitale und analoge Überlagerungen werden die maskierten Figuren, die normalerweise in der Stille des Museums stehen, hier in einen direkten Dialog mit der Dynamik des Lebens gebracht und untersuchen die Kontinuitäten und Transformationen von Ausdrucksformen über Jahrtausende hinweg. In den Zeichnungen sind diese alten Komödianten nicht nur historische Artefakte, sondern zeitlose Spiegel von Emotionen und Rollen. Sie erzählen von universellen Mustern des Seins, vom Spiel mit Masken und Selbstdarstellung. Zwischen Antike und Gegenwart entsteht ein Kontinuum künstlerischen Erzählens. Eines, das die Frage aufwirft, wie die Menschheit sich selbst wahrnimmt und inszeniert.