Saskia Wendland

Mittwoch, den 03. Mai 2023 um 20.00 Uhr

Das Gespräch findet im Studio der Künstlerin statt.



Saskia Wendland, Ohne Titel, 2023, Fineliner auf Papier, 42 x 29 cm

In Wendlands ausdauernder, zeichnerischer Praxis stehen einfache, ritualisierte Gesten und Bewegungsabläufe im Vordergrund. Performative Wiederholungen bringen Kontinuität und Konzentration hervor. Mit dem Verweilen in der Tätigkeit entsteht Intensität. Als einfache geometrische Elemente ermöglichen Punkt, Linie und Kreis, die Aufmerksamkeit auf das Handeln zu richten. Ein Atemzug, eine Linie. 


www.saskiawendland.de 


Sonya Schönberger

Mittwoch, 22. März 2023 um 20 Uhr

Das Gespräch findet im Studio der Künstlerin statt.


Sonya Schönberger, Die Party ist vorbei, 2022


Sonya Schönberger ist eine in Berlin lebende Künstlerin, deren Praxis sich mit biografischen Brüchen vor dem Hintergrund politischer oder sozialer Umwälzungen auseinandersetzt. Quelle ihrer künstlerischen Auseinandersetzung sind die Menschen selber, die in biografischen Gesprächen darüber berichten. So sind einige Archive entstanden, aber auch bereits existierende, zum Teil gefundene Archive fließen in ihre Arbeit ein. Vor fünf Jahren rief sie das Berliner Zimmer ins Leben, ein langzeitlich angelegtes Videoarchiv basierend auf den Erzählungen der Menschen in Berlin.


www.sonyaschoenberger.de

Katja Pudor

Mittwoch, 15. März 2023 um 20 Uhr

Das Gespräch findet im Studio der Künstlerin statt.


KATJA PUDOR
 About hearing and listening and the possible actions that follow, 2022
Mehrteilig Performance, Dauer: 27 min
Antonio Vivaldi, Stabat Mater (1727)
Dauer: 27 min
Verschiedene Pinsel in Tinte auf Papier, 6 m x 8 m

Die Wahrnehmung beherrscht den Raum genau in dem Verhältnis, in dem die Tat die Zeit beherrscht. Henri Bergson (aus: Materie und Gedächtnis, 1896). 

Katja Pudor entfaltet oder vielmehr entfesselt auf weißem Papiergrund das Spiel von An- und Abwesenheit als Wesenskern alles Grafischen. Die bildnerischen Vorgänge sind in ihren zeitlichen und räumlichen Dimensionen unmittelbar präsent, sie bedürfen keiner Übersetzungen in Abbilder. 
Im Setzen von Zeichen, im Schichten, Überschreiten und Überschreiben von Spuren, in den immer wieder neu zu erfindenden Vokabularen aus rhythmischen gestischen Kürzeln (bisweilen analog zu musikalischen Notationen) verwirklicht sich vielmehr die Immanenz des selbstgewissen Handelns, eines darin Bleibens, Anhaftens. Die von ihr verwendeten Zeichengeräte, häufig unkonventionell erweitert und kombiniert, werden dabei zu Prothesen, die den Körper in den Raum hinein verlängern und zugleich an leichtfertigen Abkürzungen hindern. Katja Pudors grafische Performances machen den tänzerischen Gestus als Wechselspiel von Spannung und Lösung, Stocken und Fließen, Verdichten und Überschreiben auf der Fläche des Bildträgers erfahrbar.
Es gibt kein vorgefasstes Konzept eines abbildhaften Bildraums und somit keine klassische Komposition mit ihrer Dialektik aus Bildfläche und Tiefenillusion. Das bildnerische Geschehen ist die Verbindung von Jetzt-Zuständen, die sich aus einer inneren Notwendigkeit heraus aneinander fügen. Die Notationen sind streng und intuitiv zugleich, ohne jede Manieriertheit und Gefälligkeit. Musikalische Kompositionen als Referenzen spielen sich eher auf einer verborgenen Ebene ab, die Betrachtenden erfahren davon nur durch die Präsenz der vor ihren Augen entfalteten grafischen Mittel. 

Vincent Schubarth, Palais für aktuelle Kunst, Glückstadt, 2022 

www.katjapudor.de


Zuzanna Skiba

Mittwoch, 30. November 2022 um 19 Uhr

Das Gespräch findet im Studio der Künstlerin statt.


ZUZANNA SKIBA, SCHWEBEND, 
Öl, Bitumen, Stift auf Leinwand, 45 x 110 x 7 cm, 2022

Die künstlerische Arbeit von Zuzanna Skiba basiert auf der Kreation, der eine imaginierte Berührung zwischen Künstlerin, Kunstwerk und Betrachter*innen bündelt. Ihre konzeptuelle abstrakte Malerei beschäftigt sich mit unsichtbaren Verknüpfungen, wendet sich verborgenen Triebkräften und inneren Energien zu, die auf der Bildoberfläche in freien Formen sichtbar werden. Der Malprozess ist für die Künstlerin eine Transformation von Gedanken, Erinnerungen und Emotionen, die Schicht für Schicht und Linie für Linie aufgetragen werden. Skiba scheut nicht den Einsatz von verschiedenen Materialien wie Bitumen und Öl, um mal haptisch, mal flächig fragmentierte Körperlichkeit in einem gemeinsamen Bildraum zusammenzufügen. Die Werke erscheinen wie Ausschnitte von Landschaften, eine Erweiterung von Impulsen angereichert mit geistiger Energie. 

Text: Lucille Ling


www.zuzannaskiba.com



Sabine Reinfeld

Mittwoch, 16.11.2022 um 20 Uhr 

Das Gespräch findet im Atelier der Künstlerin statt.



JE NE SUIS PA UN CANARD! Sabine Reinfeld mit Philipp Reinfeld 
Musée de la Fraise, Berlin Nordbahnhof 2022, Foto: Max Stolberg


In ihren Performances bricht Sabine Reinfeld (*1976, D) konventionelle Betrachtungsweisen und Narrative von Räumen auf. Sie analysiert physische Strukturen und die dahinter liegenden sozialen Gefüge, um sie durch präzise Gesten und Bewegungsabläufe infrage zu stellen. Körperliches Agieren versteht sie als Mittel der Bildwerdung. Thematisch behandelt Reinfeld häufig Fragen der Identität, sei es in Bezug auf die ost-westdeutsche Geschichte oder auf den Kunstbetrieb.


www.sabinereinfeld.com

Clara Brörmann

Das Gespräch wird auf kommendes Jahr verschoben.





Malerei begreife ich als ein Medium, das sich in seiner Mehrdimensionalität und physischen Präsenz einer digitalen Wiedergabe entzieht, man muss ihr im Original gegenüberstehen um sie wahrzunehmen. Die abstrakten Bilder und ihre geometrischen Formen haben einen eigenen Körper.

Über einen längeren Prozess von Konstruktion und Dekonstruktion entsteht eine vielschichtige und stofflich präsente Malerei: ich konstruiere und verwerfe, übermale oder trage Farbe ab. Dieser schrittweise Arbeitsprozess wird für den Betrachter zugleich sichtbar gemacht: Beschwingte Linien, versetzte Farbflächen und Verläufe von Arbeitsspuren leiten den Blick durch die Bildebenen. Farbe kann unterschiedliche Beschaffenheiten haben und wird auch auf diese Weise eingesetzt: als pastose Ölfarbe aus der Tube, als Strukturmasse, als dünne Lasur und flüchtiges Pigment. 

Clara Brörmann, 2022



www.clarabroermann.de

Inken Reinert

 

Mittwoch, 12. Oktober 2022 um 19 Uhr

Das Gespräch findet in der aktuellen Soloausstellung Inken Reinerts in der Kunstgalerie “Rahmen und Kunst“ Alexandra Erlhoff statt. 

Die Adresse lautet: Winsstr. 70, 10405 Berlin. 
 
 
 
 
 
Poul, Inken Reinert, Fine Art Print, 35 x 40 cm, 2022


Viele meiner Arbeiten basieren auf gefundenem und gebrauchtem Material und setzen dessen historische, politische und soziale Konnotation und die in ihm gespeicherte Erinnerung in einen neuen Kontext. Auf diese Weise kommentiere ich analytisch, manchmal auch poetisch die Kontraste zwischen Utopie, Realität und individuellem Lebensentwurf.
In meinen Zeichnungen, Collagen und Scanografien wird die in den benutzten Materialien eingeschriebene Geschichte Bestandteil der Arbeit. Durch verschiedene Formen der Manipulation verarbeite ich Abbildungen von Architekturen, Kunst- und Alltagsgegenständen verschiedener Epochen. Dabei vermischen und überlagern sich analoge und digitale Medien, bestehende Bild- und Sinnzusammenhänge werden hinterfragt, Muster unserer Sehgewohnheiten freigelegt.  
 
Inken Reinert

Tim Trantenroth

Mittwoch, 28. September 2022 um 20 Uhr

Das Gespräch findet im Atelier des Künstlers statt.

 

Studio Tim Trantenroth, Berlin, 2022


Die Motive für seine malerischen und installativen Arbeiten entdeckt Tim

Trantenroth vor allem im Stadtraum. Immer sind es Ausschnitte aus

Architekturen, urbane Situationen, die klaren Strukturen von Fassaden

mit ihren Fensteröffnungen, aber auch die für unsere Zeit so typischen

und omnipräsenten Absperrungen und technischen Geräte der

Überwachung. Solche Zeugnisse des Formens und Gestaltens von

Stadtraum – historisch wie zeitgenössisch − übersetzt Trantenroth in

eine Bildsprache, die die Grenze zwischen Gegenständlichkeit und

Ungegenständlichkeit markiert. Malerei ist ihm seine Art einer

Erforschung der Welt, insofern als er mit ihrer Hilfe die Dinge hinterfragt

und „ihre Konnotationen im zeitpolitischen Kontext“ (Trantenroth)

reflektiert.

 

 

 

Dr. Maria Müller-Schareck

Kuratorin, Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf

Aneta Kajzer

Mittwoch, 31. August 2022 um 20 Uhr

Das Gespräch findet im Studio der Künstlerin statt.





 

Aneta Kajzer’s paintings teeter between abstraction and figuration. Working with wide brushes and thinned oil paints, the artist uses bold sweeping strokes to mix and mingle jewel-toned hues directly on the canvas. At a certain (if unpredictable) point during her spontaneous mark-making, a subject reveals itself. A face, a body, a fish, or even Darth Vader will emerge from the gestural brushwork and, just like that, wrest the composition away from pure abstraction. Likening her own intuitive process to a cloud-watcher who finds real-world likenesses in overhead accumulations of water vapor, Kajzer literally and figuratively conjures humanoid creatures out of what Michel Tapié described in the 1950s as l’Art informel.
The works comprising Kajzer’s first solo show at Semiose, “Heavy Water,” include large and small formats whose titles hint at the representational imagery lurking within. In Alien Pool (all works, 2021) an elongated feminine form with a slender neck, drooping breasts and a mushroom-shaped head appears to be floating peacefully in blue-green water. Guiding the viewer to see the extraterrestrial being that revealed itself to her as she painted, Kajzer has added subtle but deliberate daubs of red paint denoting two eyes, a mouth and nipples. Similar simple marks—dots, smears and even small scratches—encourage anthropomorphic interpretations through the works on view. In Evil Twin the artist used her fingernail to scrape away the top layer of paint from one of two eggplant-like forms, revealing a pair of slitty blue eyes. Thin strokes of pale pink suggest the twins’ displeased grimaces. Seemingly minor in the context of the overall compositions, these precise final touches christen and crystallize the vague figures born out of Kajzer’s automatic painting.
The faces and bodies in Kajzer’s paintings are undeniable, but also appear frail and transient. So approximate are their features that they seem perpetually on the verge of dissolving into facture, thus quashing the painting’s figurative status. This visual instability is reinforced by a peculiar blend of humor and melancholia that emanates from the compositions. If Kajzer’s paintings initially come across as naive attempts at figuration using bright colors and thick brushes (sometimes as wide as a broom), the artist’s references to malaise and liminality add a level of sophistication and depth. In Happy Holidays two girls with princess Leia-style hairdos appear to be up their necks in a murky ocean while a tiny acid-green sun shines down on them through a muddy sky. The girls are cute, but something is clearly awry. Their wide faces and piercing eyes recall the devilish nature of Japanese painter Yoshitomo Nara’s young and deviant Anime-inspired protagonists. The sickly sun and the fact that the girls seem close to drowning brings an unexpected gloominess to this work’s ostensibly cheerful titular phrase. Rife with these sorts of visual and thematic contradictions, Kajzer’s paintings describe a universe where standard binaries no longer pass muster: abstraction is figurative, automatism is reflective, and happiness is apocalyptic. 

Text on the exhibition "Heavy Water" at Semiose Paris
by Mara Hobermann 




 

Katja Brinkmann

Mittwoch, den 29.06.2022 um 20 Uhr

Das Gespräch findet im Studio der Künstlerin statt.


Katja Brinkmann, o.T., 2021, Acryl auf Leinwand, 155 x 210 cm 


Meine Bilder sind eine Auseinandersetzung mit ihren bildnerischen Mitteln, mit der Qualität von Farbe und Farbauftrag und mit dem Verhältnis von Abstraktion und Gegenständlichkeit, die in einem ambivalenten Spannungsverhältnis gehalten werden. Dabei arbeite ich auch raumbezogen und entwickele Wandbilder oder Teppiche für einen bestimmten Ort oder versetze meine Malerei mittels digitaler Bildmontagen in den Stadtraum.

Längere Aufenthalte in der Mongolei haben meine Bilder verändert. 2017 habe ich mit einer Serie von Papierarbeiten begonnen, die von den intensiven Eindrücken der mongolischen Landschaft und ihres Lichts, aber auch von der Farbigkeit und Strukturen in den Jurten inspiriert sind. Daneben sind unter malerischen Gesichtspunkten entstandene Fotographien Teil meiner Arbeit geworden. 2020 habe ich bei einem Kunstfestival in der Wüste Gobi vor Ort Erden gesammelt und diese dann neben meinen Acrylfarben als Farbe in meinen Bildern eingesetzt. So sind neue, erdige Farbklänge entstanden und das vor Ort erforderliche schnelle Arbeiten hat den Malprozess verändert. 


„Ein glücklicher Moment, in dem sich Materie und Licht, Reales und Imagination, Natur und Kunst treffen und schließlich im Bild manifest und erfahrbar werden.“ Elke Keiper, 2021

 


www.katjabrinkmann.de

Philip Topolovac

Mittwoch, 18. Mai 2022 um 20.00 Uhr 

Das Gespräch findet im Atelier des Künstlers statt.



Philip Topolovac, I´ve never been to Berghain, 2016; Photo: Ingo Lawaczeck, 2017


The questions of image and reality, of formats and sizes of the aesthetic, are constantly being raised in new ways by Philip Topolovac in his work. The mechanisation of the modern world, the omnipresence of technologies that hardly anyone still understands, and the changes this brings about in the way we perceive things, are themes that preoccupy Topolovac, as is the precise observation of landscapes.
Observant and playful, using the sense of touch or a historical perspective, he attempts to uncover the essence of things in his sculptures, installations, and series of slides. Philip Topolovac searches for the significant in the marginal. Ironically, the methods of observation that Topolovac presents to us reveal at the same time their limitations: everything perceived by the senses, the results of all observations, remain in the final analysis subordinate to the subjective interpretation of human beings.

www.philip-topolovac.com

Elmira Iravanizad

Mittwoch, 04.05.2022 um 20 Uhr.

Der Talk findet im Studio der Künstlerin statt.


Elmira Iravanizad, Object no. 36, 2021


In her work Iravanizad responds to the flurry of images surrounding individuals in cities and social media. Which forms or images resemble one another? What do they remind one of? In her paintings and sculptures she confronts this imprint on visual consciousness by creating abstract and quasi-abstract forms, both intertwined and disjointed.


www.elmirairavanizad.com

Rainer Neumeier

Mittwoch, 16.03.2022, 20.00 Uhr 


Der Talk findet im Studio des Künstlers statt.


Rainer Neumeier, 945JG, acrylic paint on board, 53,5 x 45 cm, 2020

Like a dream that stays with you after waking, Rainer Neumeier’s paintings move beyond their frames. Although uniformly dense, his work is marked by formal variation: by turns vibrant then minimal, tightly patterned then fluid. Neumeier’s work reveals paintings as sites of beauty and doubt.

But it is by no means absolute. Quite the opposite: Neumeier seems to explore weaknesses in the history of abstraction and mark making all together, as well as in the wide realm of digital aesthetics. At times, his paintings appear fragile, particularly in a physical sense – for instance when they seem to melt at their edges – but most often in terms of perception. Neumeier lays bare misreadings and the susceptibility of the grid to abuse, corruption, decay. The results are ambiguous and destabilizing works of art that appear at first, quite neutral, then suddenly, charged.

The intensity of Neumeier’s paintings derives from their process: the artist works on wooden boards, laid horizontally on tables in his Berlin studio in order to enable him to more flexibly pour then scrape acrylic across their surfaces. At times, he employs forms such as wire to dictate the structure of the paint on board. At others, he relies solely on the swirling, colorful cosmos rendered by combining wet and dry layers, pressure and gravity. In both, Neumeier’s work speaks to a fully intertwined virtual and analogue existence. Looking at it transports us to a place where solitude is possible, but no one is kept in isolation.

Every part of Neumeier’s process is integrated into an intricate studio-ecosystem: shaved or scraped off layers of acrylic are stored in boxes, like stratified puzzle pieces to be fit into some bigger picture; paint brushes dipped time and again into buckets of white gesso accumulate layers and hang as sculptural testaments to an act as well as blank, steadfast counterpoints to more lively renderings; an array of found objects edge along the rooms’ perimeters. Neumeier’s inspiration is both as far reaching and as coherent as the results of his work. From sci-fi to the natural world, machinery to microbiology, he pays attention to bit parts and the larger systems they enact.

Operating in an era in which many artists use their work to spell out a message, frequently that has to do with singular experience, Neumeier explores a terrain more interested in erasing the hand of an individual author. His work creates a code he simultaneously attempts to crack. It invites us into its glitch and suspends us in the acts of both looking and interpreting.

 

Isabel Parkes, 2021

 www.rainerneumeier.de

Julia Münstermann

Mittwoch, 03.11.2021, 20.30 Uhr 

Der Talk findet im Studio der Künstlerin statt.



Julia Münstermann, 
ENTROPY, 2020-21, ink and salt on paper, 18 x 50 x 65 cm, Studio Berlin


Entropie ist das physikalische Maß für die Unordnung. Unser Universum strebt einem Entropie-Maximum entgegen, das heißt, wirkt keine Kraft dagegen, nimmt die Unordnung zu. Dennoch schafft es die Gravitation, Gebilde zu erschaffen, die strukturiert, also ordentlicher sind. So formen sich Cluster, Galaxien, Sonnensysteme, Sterne und Planeten. Unsere Galaxie, die Milchstraße, beispielsweise ist eine rotierende Spiralgalaxie, die durch ein Schwarzes Loch in seiner Mitte und durch Dunkle Materie zusammengehalten wird. 
In den Bildern der Serie ENTROPY entstehen ebenfalls Strukturen aus der Unordnung – aufgrund der Lösungsenergie der Salzkristalle in der flüssigen Tusche bilden sich neue Galaxien, interstellare Nebel und schwarze Löcher. Im Entstehungsprozess stellt sich gleichsam die Frage nach Chaos, Ordnung – und Entropie.
Julia Münstermann setzt sich in Ihren Arbeiten mit Licht, Farbe und Raum, den Grenzen der Sichtbarkeit und der veränderten Wahrnehmung durch das technische Bild auseinander. Die Malerei steht dem digitalen Bild als materielles handgemachtes gegenüber. 
Beim Art-Meets-Science-Projekt “Dark Matter” am Teilchenlabor DESY erforschte Sie in der Serie ELECTRIC SHADOW durch das Malen von Licht-Bildern, die als Nicht-Bilder in Erscheinung traten, die Sichtbarmachung von Phänomenen wie der eigentlich unsichtbaren Dunklen Materie. Von der mikroskopischen Welt, die durch Teilchenbeschleuniger sichtbar gemacht wird, geht nun bei der Serie ENTROPY der Blick ins All, wo Weltraumteleskope wie Hubble Schwarz-Weiß-Bilder bis an die Grenze des Sichtbaren aufnehmen und so in die Geschichte des Universums zurückblicken. Wie das Mikroskopische ist auch das Makroskopische unfassbar. Dieses Erscheinen von Bildern spielt Julia Münstermann in der Malerei nach, unter Einbezug des Zufalls, um die Grenzen des Visuellen in unserer durch Bilder überfluteten Welt zu untersuchen.

Prof. Dr. Christian Schwanenberger



www.julia-muenstermann.de


Michelle Letelier

Mittwoch, 15. 09.2021, 19:30 Uhr

Der Talk findet im Studio der Künstlerin statt. Um Anmeldung wird gebeten.


Michelle Letelier, Am I Ancient or A Human-Made Machine?
solo exhibition detail, 2021, Or Gallery, Vancouver, Canada, 2021



Michelle-Marie Letelier was born in 1977 in Rancagua, Chile. She currently lives and works in Berlin.

Her multimedia installations, photographs, videos, drawings and objects embrace orchestrated transformations of natural resources, alongside extensive wide-ranging, interdisciplinary research into the landscapes where their exploitation and speculation take place. Through her work, she places together different epochs, regions and societies, examining political-economic, historical and cultural aspects.

Michelle-Marie Letelier spent her early life in Chuquicamata, a space of copper deposits in the middle of the Atacama Desert of mined since pre-Hispanic times, annexed by Chile in the Saltpetre War (1879-84), and home to the largest copper mine in the world. When the town was to be buried due to new mining policies, Letelier returned to document this process—a pivotal moment that ushered in her practice.

Since establishing in Berlin in 2007, she has been particularly invested in examining five resources: coal, copper, saltpetre, wind and, more recently, salmon, in order to create a poetic work applying their properties - such as electrical conductivity, crystallisation and agency. In her practice, she experiments with chemical and physical transformation processes that produce the artworks themselves, as well as their poiesis, beyond the extractive industry and its forms of control.

The work of Michelle-Marie Letelier carries heavy socio-political overtones; it is eloquently reflective especially in times of unveiled globalisation, the increasing scarcity of raw materials and the crisis of the neoliberal model.

www.michellemarieletelier.net

Christl Mudrak

Mittwoch, 22. September 2021, 18.30 Uhr

Der Talk findet im Außenbereich des Atelierhauses Lobe Block statt.

Adresse: Böttgerstrasse 16, 13357 Berlin




Christl Mudrak, Keep Driving, September 2021, Arbeitsskizze, Grünefeld


Auf der Außenseite des Wagens ist eine Leinwand befestigt. Das Auto fährt, während auf die Leinwand gemalt wird. Es geht um direktes Handeln, das keinen Aufschub duldet. Das Entkoppeln von Kontrolle und Bildgestaltung soll befördert werden. Eine bestimmte Anstrengung und physische Verausgabung könnte ein anderes Ergebnis möglich machen. Schon bei einer Geschwindigkeit des Wagens von zehn Stundenkilometern bewegt sich die Leinwand pro Sekunde um etwa 2,80 m weiter, was die Länge dieser Leinwand bei weitem übertrifft. Folglich hat die Person am Steuer bei dieser Art der Zeichnung oder Malerei einen erheblichen Einfluss auf das experimentelle Bildergebnis. Die Geschwindigkeit der Bewegung wird die Präzision der Pinselstriche und die Qualität der Malerei beeinflussen. Die potentiellen Kräfte und Fähigkeiten der beiden Beteiligten auf das Bild einzuwirken, scheinen ungleich verteilt. Während die malende Person die Leinwand betrachten kann, fehlt der fahrenden diese Möglichkeit. Die Kommunikation beider sollte für eine gute und sichere Arbeitsfahrt und Malweise adhoc funktionieren.