Donnerstag, 19.03.2026 um 16 Uhr
Das Gespräch findet in der aktuellen Ausstellung Chamäleons and Butterflies. Bibliodiversität im Zeitalter der Bibliophagie des Künstlers im IcI Berlin statt. Die Adresse lautet: Christinenstraße 18-19, 10119 Berlin.
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Die Ausstellung verwandelt die Bibliothek des ICI Berlin in den Lebensraum bibliodiverser Arten. Alle ausgestellten Werke sind „Buchobjekte“ – Hybride aus einzigartigen Kunstwerken und massenproduzierten Artefakten, die zwischen Skulptur und Publikation oszillieren. Michalis Pichler verwendet antiquarische Bücher als Hauptmaterial und unterzieht sie chirurgischen Eingriffen, die ihre physische Fragilität und ihre kulturelle Widerstandsfähigkeit hervorheben. Durch präzise Schnitte, Entfernungen und Neuanordnungen werden diese einst vertrauten Bände zu veränderten Gebilden, die die verborgenen Strukturen ihrer Einbände, Ränder und Paratexte offenbaren. Diese Objekte regen die Besucher dazu an, neu zu überdenken, wo ein Buch beginnt und endet und wie viel entfernt oder verändert werden kann, bevor es zu etwas anderem wird.
Diese Ausstellung konzentriert sich auf zwei große Serien: „Butterflies“ und „Chameleons“. In „Butterflies“ öffnet, faltet und fächert Pichler Seiten auf, sodass sich die Fragmente wie Flügel über den Buchrücken ausbreiten und einen Moment des angehaltenen Fluges zwischen Lesbarkeit und Fragme nt einfangen. In „Chameleons“ werden die Tiere durch ihre Abwesenheit zum Leben erweckt. Sie wurden ausgeschnitten, um die dahinterliegenden Seiten freizulegen, wodurch sich ihre veränderten Formen nahtlos in ihre textuelle Umgebung einfügen, ähnlich wie die Reptilien, an die sie erinnern. Beide Serien wenden das klassische bildhauerische Verfahren der Substraktion an, wobei der jeweils bearbeitete Block in diesem Falle ein Buchblock ist.
Michalis Pichler macht sich seit gefühlter Ewigkeit um die Bibliodiversität verdient, als Künstler mit der Erfindung der recto-verso-collage (2002) und mit Werken wie New York Times flag profile, New York garbage flag profile und Un Coup de Dés Jamais N’abolira le Hazard (Sculpture), sowie auch als Organisator von Miss Read: The Berlin Art Book Fair & Festival (seit 2009) und dem Conceptual Poetics Day, auf dem seit 2013 die imaginäre Grenze zwischen bildender Kunst und Literatur erkundet wird.
Zu seinen jüngsten Veröffentlichungen gehören Publishing Manifestos (MIT Press und Miss Read 2022), Coup de Dés (COLLECTION) (The Center for Book Arts und Spector Books, 2024), Pathosformeln #1&2 (COLLAGE, 2025) und (zusammen mit Pascale Obolo und Parfait Tabapsi herausgegeben) Reading Ecologies: Transforming Publishing in Africa (Miss Read 2025).